Die Bedeutung von Ambo und Altar – Tisch des Wortes und Tisch des Mahles (Einweihung der renovierten Seitenkapelle)

Am Freitag den 07.10.2016 hat Pfarrer Pater Andreas Hohn OMI die neu eingerichtete Seitenkapelle der Klosterkirche St. Marien in einer Hl. Messe eingeweiht.

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Die Kapelle war bis auf den letzten Platz besucht. In seiner Predigt ging Pater Hohn auf die Bedeutung von Altar und Ambo ein und auf die Ausrichtung in einer Linie mit dem Taufbecken und der Osterkerze.

Der Ambo (Lesepult) wird als Tisch des Wortes bezeichnet. Mit dem II. Vatikanischen Konzil wurde die Bedeutung des Wortes Gottes in der Eucharistiefeier aufgewertet. Das Wort ‚Ambo‘ kommt aus der griechischen Sprache: ‚anabainein‘ bedeutet so viel wie: ‚hinaufsteigen‘. Es ist also eine Art Kanzel, nicht im Sinn unserer früheren Kanzeln, von der der Prediger auf die Köpfe der Gläubigen und auch oft über sie hinweg gepredigt hat. Der Ambo heute hat seinen Platz im Altarraum oder aus dem Altarraum ein Stück in die Gemeinde hinein gebaut. Das Evangeliar bleibt nach der Verkündigung des Evangeliums, Höhepunkt des Wortgottesdienstes, wie auf einem Thron stehen. So bleibt es den Gläubigen sichtbar und wird nicht irgendwo abgelegt.

Der Altar ist dementsprechend der Tisch des Mahles. In allen Religionen gibt es Altäre. Auch bei den Juden, dem Volk des Alten Bundes, gibt es Altäre. Noach war der erste, von dem die hl. Schrift berichtet, dass er nach der Sintflut einen Altar erbaut habe („Dann baute Noach dem Herrn einen Altar, nahm von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln und brachte auf dem Altar Brandopfer dar.“ Gen 8,20). Die Altäre waren aus Stein und wurden besonders da errichtet, wo Menschen die Nähe Gottes in ihrem Leben erfahren haben.

Im Neuen Bund ist das anders geworden. Wir kennen nur ein einziges Opfer, das Opfer Jesu Christi am Holz des Kreuzes. Wir brauchen Gott nicht von Neuem versöhnlich zu stimmen, denn sein Sohn, Jesus Christus, hat durch sein Opfer am Kreuz ein für allemal Versöhnung für den Menschen erwirkt. Was am Kreuz in blutiger Weise, das hat Jesus am Abend zuvor bildhaft angedeutet und mit seinen Jüngern gefeiert: Das Brot, das gebrochen wird: sein Leib! – der Wein: sein Blut!, vergossen für die vielen, ja, für alle.

Dieses Opfer Jesu Christi war eine einmalige Sache und doch hat der Herr uns aufgetragen: Tut dies zu meinem Gedächtnis! Vergegenwärtigung ist mehr als bloß Erinnerung; Raum und Zeit werden übersprungen. Wenn Eucharistie gefeiert wird, nimmt die Gemeinde am letzten Abendmahl teil (Vergangenheit), sie feiert jetzt das Mahl der Heiligen (Gegenwart), in dem das himmlische Gastmahl (Zukunft) aufleuchtet. Der Altar wird so zum Thron der Gegenwart Gottes.

So ist der Altar ein starkes Bild für Christus selbst, wie es in einer Präfation der Osterzeit von Christus formuliert: „Er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm.“ (Präfation für die Osterzeit V). Er ist der Mittelpunkt der versammelten Gemeinde und wie die Kirche ein Haus aus lebendigen Steinen ist, so sind auch die Christen, die sich dem Gebet widmen und ihre Fürbitten vor Gott tragen, selber lebendige Steine, aus denen der Herr Jesus den Altar der Kirche erbaut.

Ambo und Altar in einer Linie – verstärkt durch Taufbecken, Osterkerze und Ausrichtung auf den Gemeindealtar, zeigt die Verwobenheit Gottes mit seiner Gemeinde. Wir sind geradezu verwickelt in die Geschichte Gottes mit uns seinem Volk. Hier versammelt uns der Herr, nimmt uns hinein in seine lebendige Gegenwart, um unsere eigene verworrene Geschichte zu entwickeln und seine Geschichte zu entfesseln. Das ist Erlösung, das Gott in dir und mir lebt, dass wir seine Werkzeuge in dieser Welt sein dürfen. So ist jeder Augenblick, in dem wir uns Christus in uns vergewissern ein schöpferischer Akt. Nicht mehr wir sind es, die handeln, Gott handelt durch uns. Dies können wir in einem Satz zusammenfassen, der zugleich Zusage und Herausforderung ist: Bist du Gottes, so wird die Welt Gottes sein.

07.10.2016, Pater Andreas Hohn OMI, Pfarrer